Chancenwucher & effektive Bayern: Löwen verlieren Derby 2:4
Die Löwen mussten nach vier Heimsiegen in Folge mit 2:4 gegen den FC Bayern II wieder eine Niederlage hinnehmen. Dabei wurde ihnen die schlechte Chancenverwertung zum Verhängnis, während die Roten ungeahnt effektiv agierten und fast jeder Schuss ein Treffer war. Anton Heinz (12.) und Tim Binder (23.) hatten die Gäste in Führung gebracht, Cristian Leone verkürzte (29.), doch erneut Heinz stellte vor der Pause wieder den alten Abstand her (40.). Nachdem Emre Erdogan auf 2:3 verkürzte (51.), erzielte der eingewechselte Artur Degraf in die Drangphase der Sechzger hinein den Siegtreffer (75.).
Personal: Löwen-Trainer Alper Kyabunar musste gegen Bayern auf die verletzten Raphael Wach, Brahim Moumou, Raphael Ott, Stefan Musa und Tunay Deniz verzichten. Lance Fiedler fehlte wegen seiner Gelb-Roten-Karte. Noah Klose hatte am Freitagabend in der U21 gespielt, Ludwig Estermann tags zuvor in der U19.
Spielverlauf: Es herrschte glänzende Stimmung im altehrwürdigen Sechzger-Stadion. Nach einer Ecke der Bayern konterten die Löwen in der 3. Minute in Überzahl, doch der Pass von Mark Gevorgyan auf Emre Erdogan missriet vollkommen. Vier Minuten später landete der Ball bei einem Klärungsversuch von David Santos Daiber genau vor den Füßen von Florian Niederlechner, der kam an der Strafraumkante zum Abschluss, doch Torwart Jannis Bärtl stand nur zwei Meter vor ihm, klärte den Schuss per Fußabwehr (7.). mit dem ersten gefährlichen Angriff gingen die Gäste in der 12. Minute in Führung. Tim Binder war links mit dem Ball in den Strafraum gesprintet, legte quer auf den eingelaufenen Anton Heinz, der nur die Kugel nur noch ins leere Tor einschieben musste (12.). Beinahe hätten die Löwen direkt im Gegenzug den Ausgleich erzielt. Gevorgyan hatte von rechts geflankt, Niederlechner kam am zweiten Pfosten zum Flugkopfball, setzte die Kugel aber übers Tor (14.). Die Löwen zeigten sich unbeeindruckt von dem Rückstand, spielten unbeirrt nach vorne und versuchten, die Roten unter Druck zu setzen. Was für eine Chance in der 19. Minute. Michael Eberwein hatte am Elfmeterpunkt nach rechts auf Gevorgyan abgelegt, der kam aus acht Metern zum Abschluss. Die 1860-Fans hatten schon den Torschrei auf den Lippen, jedoch wurde sein Schuss aufs lange Eck irgendwie auf der Linie geklärt. Nach einem Lupfer von Eberwein in den Strafraum kam Emre Erdogan einen Tick gegen Keeper Bärtl zu spät (21.). Aber das Tor machten wieder die Roten. Binder dribbelte von der rechten Grundlinie an Moritz Seiffert vorbei zurück zur Strafraumkante, zog dann mit links ab und traf genau ins lange Eck zum 2:0 (23.). Zwei Angriffe, zwei Tore – was für eine Effektivität. Doch auch diesen Nackenschlag steckten die Sechzger weg. In der 28. Minute der Anschlusstreffer. Gevorgyan hatte von der rechten Strafraumseite geflankt, Cristian Leone am ersten Pfosten verlängerte den Ball aus acht Metern zum 1:2 ins lange Eck. Zwei Minuten später kam Eberwein nach Rechtsflanke von Leone aus acht Metern zum Kopfball, seinem Abschluss fehlte jedoch die Wucht, so dass Bärtl die Kugel auf der Linie sogar fangen konnte (31.). Wieder hätten die Bayern beinahe aus dem Nichts ein Tor gemacht. Nach einer Abgewehrten Ecke kam Bohdan Olychenko an den Ball, sein 20-Meter-Schuss klatschte an den linken Pfosten (33.). Moritz Seifferts Direktabnahme nach Rechtsflanke von Leone halblinks aus zwölf Metern landete genau in den Armen von Bärtl (35.). Rein von der Chancenanzahl lagen die Sechzger zu diesem Zeitpunkt klar im Plus. Und wieder wurden die Löwen in der 40. Minute eiskalt erwischt. Heinz hielt einfach im Zentrum aus über 20 Metern aufs Tor, traf unhaltbar für Vitus Eicher ins rechte Kreuzeck. Den Zwei-Tore-Rückstand nahmen die Löwen mit in die Kabine.
Kurz nach der Pause lief Erdogan alleine auf den Torwart zu, brachte aber den Ball nicht an Bärtl vorbei (47.). Auf der anderen Seite traf Noah Codjo-Evora, stand aber knapp im Abseits (49.). Das Tor fiel im Gegenzug. Nach einer Flanke von der rechten Seite durch Julian Bell kam Erdogan sträflich frei an den Ball, köpfte Richtung langes Eck, wo Linksverteidiger Filip Pavic am rechten Pfosten unabsichtlich mit der Brust die Kugel über die Linie (51.). Danach brannte es auf der Osttribüne. Die Bayern Ultras zündeten Bengalos, Schiedsrichter Felix Wagner unterbrach die Partie. Als die Partie weiterging, hatte Leone das 3:3 auf dem Fuß. Halbrechts kam er im Strafraum aus zehn Metern frei zum Schuss, setzte die Kugel aber deutlich übers Tor (55.). Nach einem Freistoß von links durch Eric Uhlmann brannte es im Bayern-Strafraum lichterloh, aber kein Löwen kam entscheidend zum Abschluss (58.). Kurz danach bekam FCB-Trainer Dante, der sich ständig beschwerte, von Schiedsrichter Wagner die Rote Karte zu sehen (59.). In der 63. Minute konnte Niederlechner im letzten Moment auf Kosten einer Ecke im Strafraum am Abschluss gehindert werden. Ein Linksschuss von Dennis Dressel aus 23 Metern kam zu zentral, um Bärtl ernsthaft in Gefahr zu bringen (67.). Die Löwen belagerten regelrecht die Hälfte der Roten in dieser Phase. Wieder schafften es die Bayern, sich aus der Umklammerung zu lösen und ein Tor zu erzielen. Santos Daiber hatte im Strafraum den Ball auf den eingewechselten Artur Degraf gespitzelt, der drehte sich um seinen Gegenspieler Felix Weber, traf aus sechs Metern ins kurze Eck (74.). Danach war die Luft raus. Trotz acht Minuten Nachspielzeit wegen der Pyro-Show der Roten änderte sich am Ergebnis nichts mehr. So mussten die Löwen ausgerechnet im Derby nach vier Heimsiegen in Folge wieder eine Niederlage hinnehmen.
TRAINERSTIMMEN
„Das Ergebnis ist sehr enttäuschend“, musste Löwen-Trainer Alper Kayabunar einräumen. „Wir starten gut ins Spiel, haben Riesenmöglichkeiten, um in Führung zu gehen.“ Seine Mannschaft hätte einen „Riesenaufwand“ betrieben. „Dann kassieren wir nach einem langen Ball vom Torwart das 0:1.“ Das hätte sich so übers ganze Spiel fortgesetzt. „Bayern hat immer zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht. Gefühlt war jeder Schuss ein Gegentor. Und wir verballern auf der anderen Seite beste Möglichkeiten. Da wird es einfach schwer, so ein Spiel zu gewinnen.“
Ganz anders war die Gefühlslage beim FCB-Coach Dante. „Ich habe das Spiel – bis auf meine Rote Karte – genossen.“ Es sei keine gute Aktion von ihm gewesen, als er bei einem Einwurf für die Löwen den Ball nicht herausgab. „Dafür muss ich mich entschuldigen. Aber ich wollte nichts Böses machen. Ich bin noch ein junger Trainer und muss noch lernen“, sagte er mit einem breiten Grinsen. Es sei das schwerste Spiel der Saison für sein Team gewesen. „Sechzig hat ständig Druck gemacht, hat trotz der Niederlage sehr gut gespielt.“ Von der Atmosphäre zeigte sich der Brasilianer beeindruckt. „Das war wie Bundesliga. Die Stimmung, das Umfeld, die Erwartung der Leute. Ich liebe solche Drucksituationen und die Spannung. Das gefällt mir. Umso mehr freue ich mich, dass meine Mannschaft unter diesen Umständen gewonnen hat.“
STENOGRAMM, 15. Spieltag, 18.10.2026, 14.03 Uhr
TSV 1860 München – FC Bayern München II 2:4 (1:3)
1860: 30 Eicher (Tor) – 24 Gevorgyan, 33 Faßmann, 4 Weber, 21 Seiffert – 18 Uhlmann, 14 Dressel – 17 Leone, 13 Eberwein, 19 Erdogan – 7 Niederlechner.
Ersatz: 1 Bachmann, (Tor) – 2 Bell, 5 Collins, 6 Hoppe, 9 Wagner, 12 Ortivero Calderon, 25 Dordan, 29 Gosalci, 34 Krasniqi.
FCB: 1 Bärtl (Tor) – 2 Manuba, 5 Pavic, 4 Kiala, 3 Ajayi – 8 Olychenko, 6 Santos Daiber – 7 Binder, 10 Della Rovere, 11 Heinz – 9 Codjo-Evora.
Ersatz: 18 Klanac (Tor) – 12 Moumouni, 13 Kim, 14 Lambe, 15 Osmani,16 Degraf, 17 Wilson, 19 Gashi, 20 Assomo.
Wechsel: Bell für Seiffert (46.), Dordan für Dressel (75.), Wagner für Gevorgyan (84.), Gosalci für Erdogan (90.+2) – Kim für Ajayi (63.), Degraf für Binder (63.), Lambe für Heinz (71.), Asssomo für Codjo-Evora (81.), Gashi für Della Rovere (81.).
Tore: 0:1 Heinz (12.), 0.2 Binder (23.), 1:2 Leone (28.), 1:3 Heinz (40.), 2:3 Erdogan (51.), 2:4 Degraf (74.).
Gelbe Karten: Dressel, Dordan, Weber – Binder, Della Rovere, Degraf.
Zuschauer: 15.000 im Grünwalder Stadion (ausverkauft).
Schiedsrichter: Felix Wagner (Glött); Assistenten: Martin Speckner (Cham), Maximilian Hafeneder (Holzkirchen); Vierter Offizieller: Luca Schultze (München).
Pressekonferenz nach #M60FCB